Vertrautheit ist nicht Relevanz.

Was uns häufig begegnet, kommt uns irgendwann wichtig vor.

Ein Name taucht immer wieder auf. Ein Gesicht erscheint regelmäßig im Feed. Eine Aussage wird oft genug wiederholt. Irgendwann entsteht das Gefühl, dass daran etwas sein müsse.

Nicht unbedingt, weil wir geprüft hätten, was gesagt wird.

Sondern weil es uns vertraut geworden ist.

Vertrautheit hat eine erstaunliche Wirkung: Sie fühlt sich irgendwann an wie Bedeutung. Was wir kennen, erscheint uns weniger beliebig. Was uns häufig begegnet, nehmen wir leichter ernst.

Dabei sagt die Häufigkeit einer Begegnung zunächst nur etwas über ihre Häufigkeit.

In digitalen Räumen wird dieser Effekt verstärkt. Sichtbarkeit lässt sich herstellen, wiederholen und messen. Wer regelmäßig erscheint, wird erinnert. Wer erinnert wird, wirkt präsent. Und Präsenz lässt sich leicht mit Relevanz verwechseln.

Relevant wird ein Gedanke aber nicht dadurch, dass wir ihm häufig begegnen.

Sondern dort, wo er einen Unterschied macht. Wo jemand nach dem Lesen anders auf eine Sache schaut. Eine Entscheidung überprüft. Einer Behauptung nicht mehr ohne Weiteres folgt. Oder sich Tage später an einen Satz erinnert, obwohl längst hundert neue Beiträge durch den Bildschirm gelaufen sind.

Das lässt sich schlechter zählen.

Man kann Aufrufe messen, Follower, Kommentare und Verweildauer. Ob etwas im Denken eines anderen weiterarbeitet, erscheint in keiner Statistik.

Gerade deshalb wird leicht das optimiert, was sichtbar messbar ist.

Wer oft gesehen wird, hat Aufmerksamkeit erzeugt.

Ob das etwas hinterlassen hat, ist eine andere Frage.

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