Menschen brauchen nicht immer mehr Ressourcen.
Wenn etwas nicht vorangeht, lautet die Antwort oft: mehr. Mehr Zeit, mehr Personal, mehr Budget, mehr Werkzeuge. Der Mangel scheint die Ursache, also soll die Zufuhr ihn beheben. Das klingt plausibel und ist manchmal richtig. Oft aber wird mehr hinzugegeben, wo das Vorhandene nur nicht genutzt wird.
Denn nicht jeder Stillstand ist ein Mangel.
Mancher Betrieb hat Fähigkeiten, die brachliegen, weil niemand sie abruft. Manche Führungskraft hat Spielraum, den sie nicht nutzt, weil sie ihn nicht sieht. Manches Team hat alles, was es braucht, und kommt trotzdem nicht in Gang – nicht weil etwas fehlt, sondern weil etwas im Weg steht. Eine ungeklärte Frage, ein alter Konflikt, eine Annahme, die niemand mehr prüft. In solchen Fällen schafft mehr Ressource keine Abhilfe. Sie legt sich nur über das, was blockiert, ohne es zu lösen.
Schlimmer noch: Das Mehr kann die eigentliche Ursache verdecken. Solange man beschäftigt ist, Neues zu beschaffen, muss man sich mit dem Vorhandenen nicht auseinandersetzen. Die Frage, warum das Da-Seiende nicht wirkt, verschwindet hinter der Frage, was noch fehlt. So wächst der Aufwand, während das Problem unberührt weiterbesteht.
Die unbequemere Frage ist deshalb nicht, was hinzukommen muss, sondern was vorhanden ist und nicht genutzt wird. Sie führt nicht nach außen zur Beschaffung, sondern nach innen zur Prüfung. Und sie ist selten willkommen, weil ihre Antwort oft auf einen selbst zurückweist.
Bevor man fragt, was fehlt, lohnt die Frage, was schon da ist und nur nicht wirkt.
Mehr Ressourcen lösen einen Mangel. Gegen das, was im Weg steht, richten sie nichts aus.