Ein Irrtum, der selbst Profis unterläuft – und Unternehmen in die Knie zwingt.
Wenn ich Gründern ihren Finanzplan zeige und frage, ob die Tilgung ihres Darlehens die Rentabilität verbessert, nicken die meisten. Logisch, oder? Schulden werden weniger – das Unternehmen steht besser da.
Falsch. Gleich doppelt falsch.
Tilgung ist kein Aufwand. Sie erscheint nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung. Sie hat keinen Einfluss auf Ihr Ergebnis, Ihre Marge, Ihre Rentabilität. Null. Was zählt für die Rentabilität ist ausschließlich der Zinsaufwand – nicht der Betrag, den Sie zurückzahlen.
Und selbst wenn Tilgung Kosten wären – sie würden die Rentabilität nicht verbessern, sondern verschlechtern. Kosten senken immer das Ergebnis. Der Irrtum funktioniert also in beide Richtungen nicht.
Was Tilgung trifft, ist Ihre Liquidität. Jeden Monat. Ohne Ausnahme. Und genau hier scheitern Unternehmen – nicht weil sie unrentabel sind, sondern weil ihnen das Geld ausgeht, obwohl die GuV grün leuchtet.
Rentabel und pleite – das ist kein Widerspruch. Das ist Alltag.
Ich habe Unternehmen erlebt, die schwarze Zahlen schrieben und trotzdem Insolvenz anmelden mussten. Der Grund war immer derselbe: Die Tilgungslast war höher als der Cashflow, den das Unternehmen erwirtschaften konnte. Auf dem Papier lief es. Im Konto nicht.
Was das für Ihren Finanzplan bedeutet: Trennen Sie konsequent zwischen GuV und Liquiditätsplanung. Prüfen Sie, ob Ihr geplanter Cashflow nach Tilgung noch trägt. Und warten Sie nicht darauf, dass Ihr Banker Ihnen das erklärt.
Banker klären nicht auf – sie prüfen.