Wer kauft, glaubt. Wer verkauft, weiß es besser.

Der Ablasshandel war eine geniale Erfindung: Verkaufe den Menschen das Gefühl, dass mit ihnen etwas nicht stimmt – und biete gegen Bares die Lösung. Die Kirche hat daran jahrhundertelang sehr gut verdient.

Heute läuft exakt dieselbe Mechanik, nur im neuen Kostüm.

Erst wird dem Publikum eingeredet, es sei im Hamsterrad gefangen oder energetisch blockiert. Dann tritt der Erlöser auf die Bühne. Das Buch kostet 19,99 Euro. Doch die „echten“ Geheimnisse gibt es erst im Masterkurs für 5.000 Euro oder in der Elite-Mastermind für 25.000 Euro.

Dieses System ist stabil, weil es kein Wissen verkauft, sondern ein Gefühl. Drei Tage kollektiver Rausch auf dem Event, und jeder fühlt sich wie ein High-Performer. Wenn am Montag die Realität im eigenen Betrieb unverändert einschlägt, schiebt der Guru es elegant auf die „mangelnde Umsetzung“ des Kunden.

Wer echtes Unternehmertum mit Substanz betreibt, schaut mit einer Mischung aus Faszination und purem Entsetzen auf dieses Theater.

Am Ende bleibt die simple Wahrheit: Geld verdient in diesem System vor allem einer. Der, der vorne auf der Bühne steht.

Das war früher nicht anders. Damals hieß er Ablassprediger.

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