Nicht jede Lösung verdient ein Problem.

Wer einen Hammer hat, findet schnell einen Nagel. Das Bild ist bekannt. Interessanter ist, was davor passiert.

Eine Methode wurde gelernt, ein Prozess entwickelt, ein Beratungsangebot aufgebaut. Ein Werkzeug hat sich mehrfach bewährt und wird irgendwann mehr als nur eine Möglichkeit: Es wird zum Blick auf das Problem.

Dann erscheint fehlende Motivation als Coachingthema, ein Vertriebsproblem verlangt nach einem neuen Prozess, schlechte Zusammenarbeit nach einem Workshop und unklare Führung nach einem weiteren Modell. Die Lösung ist bereits vorhanden, also wird die Situation passend dazu erklärt.

Das muss nicht absichtlich geschehen. Gerade Erfahrung macht diesen Mechanismus plausibel. Wer mit einem Werkzeug oft gute Ergebnisse erzielt hat, erkennt schnell die Situationen, in denen es wieder funktionieren könnte – und langsamer die, in denen es nichts zu suchen hat.

Dann wird nicht mehr zuerst gefragt, was tatsächlich los ist, sondern welche bekannte Lösung darauf angewendet werden kann.

Das ist effizient. Und manchmal genau deshalb falsch.

Denn ein Problem verdient nicht automatisch die Lösung, die gerade verfügbar ist. Es verdient zunächst eine saubere Beschreibung: Was passiert tatsächlich? Wo entsteht die Abweichung? Was wurde bereits versucht? Und wäre überhaupt ein Eingriff nötig?

Manche Probleme brauchen keine neue Methode. Manche nicht einmal eine Lösung.

Vielleicht nur eine andere Entscheidung.

Professionelle Beratung zeigt sich deshalb nicht daran, wie schnell jemand sein Werkzeug erkennt, sondern daran, ob er bereit ist, es liegen zu lassen.

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