Missverständnisse entstehen nicht nur durch schlechte Kommunikation.

Wenn etwas schiefläuft, lautet die Diagnose fast reflexhaft: Kommunikationsproblem. Man hätte klarer sein müssen, deutlicher, häufiger. Also wird nachgebessert – mehr Meetings, präzisere Mails, ein zusätzliches Abstimmungsgespräch. Und manchmal bleibt das Missverständnis trotzdem.

Weil nicht die Übermittlung das Problem war.

Der Satz war klar. Er kam an. Nur verstand ihn der andere anders – nicht weil er nicht zugehört hätte, sondern weil er von anderen Voraussetzungen ausging. Dieselben Worte, zwei Bedeutungen. „Zeitnah“ heißt für den einen heute, für den anderen diese Woche. „Erledigt“ heißt für den einen fertig, für den anderen weitergegeben. Beide haben klar kommuniziert. Und aneinander vorbei.

Mehr Kommunikation hilft hier nicht. Sie verstärkt nur, was ohnehin schon missverstanden wird. Wer denselben unklaren Begriff dreimal wiederholt, hat ihn dreimal unklar gesagt. Das Problem sitzt nicht in der Menge der Worte, sondern in den stillen Annahmen darunter – in dem, was jeder für selbstverständlich hält und deshalb gar nicht erst ausspricht.

Genau das Unausgesprochene lässt sich durch mehr Reden nicht erreichen. Es wird erst sichtbar, wenn jemand die naheliegende Frage stellt: Was meinst du eigentlich damit? Diese Frage klingt fast zu simpel, um nötig zu sein. Sie ist es oft genau deshalb.

Manches Missverständnis überlebt jede Klarstellung – bis einer die Voraussetzung prüft, statt die Botschaft zu wiederholen.

Nicht jedes Missverständnis will mehr Worte. Manches will, dass man die stillen Annahmen ausspricht.

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