Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Perfektion.

Manche Fehler werden erst durch ihre Erklärung problematisch.

Die Entscheidung war richtig, nur der Zeitpunkt falsch. Die Prognose hätte gestimmt, wenn der Markt sich anders entwickelt hätte. Die Zusage wurde nicht gebrochen, sondern lediglich an neue Umstände angepasst.

Für fast alles lässt sich im Nachhinein eine Begründung finden, und häufig ist sie sogar plausibel.

Das Problem beginnt dort, wo eine Erklärung nicht mehr dazu dient, einen Fehler zu verstehen, sondern das eigene Bild zu retten.

Dann muss aus der falschen Entscheidung eine im Grunde richtige werden, aus dem Irrtum eine unglückliche Verkettung, aus dem Widerspruch ein Missverständnis.

Bloß keine Lücke entstehen lassen.

Dabei entsteht Glaubwürdigkeit nicht dadurch, dass jemand immer recht behält.

Sie entsteht auch nicht dadurch, Fehler möglichst offen zu inszenieren, das wäre nur die nächste Form der Darstellung.

Glaubwürdig wird es dort, wo ein Mensch sagen kann: Das habe ich falsch eingeschätzt.

Ohne Nachsatz.

Eine Korrektur verändert nicht nur die Entscheidung. Sie verändert auch das Bild, das man bisher von sich selbst gezeigt hat; genau deshalb fällt sie schwer.

Wer sich korrigiert, gibt etwas auf: die Behauptung, schon vorher richtig gelegen zu haben.

Das kann Ansehen kosten.

Es kann aber auch zeigen, dass die Sache wichtiger ist als das eigene Bild.

Perfektion verlangt, dass kein Widerspruch sichtbar wird.

Glaubwürdigkeit hält aus, dass einer da ist.

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