Ein Mitarbeiter blockt, verzögert, hält sich zurück. Die Bewertung ist schnell zur Hand: unmotiviert, sperrig, vielleicht überfordert. Das Verhalten liegt offen zutage, es lässt sich beobachten, benennen, protokollieren. Also gilt es als die Sache selbst.
Dabei ist es nur die Oberfläche.
Verhalten ist immer das Ergebnis von etwas, das man nicht sieht. Wer blockt, hat einen Grund – auch wenn dieser Grund weder ausgesprochen noch dem Handelnden selbst bewusst ist. Vielleicht schützt er sich vor einer Aufgabe, der er sich nicht gewachsen fühlt. Vielleicht wehrt er eine Entscheidung ab, die über seinen Kopf hinweg getroffen wurde. Das sichtbare Verhalten ist dasselbe. Was dahintersteht, ist es nicht.
Wer nur die Oberfläche bearbeitet, bekämpft das Symptom. Man ermahnt, kontrolliert, setzt Druck – und wundert sich, dass sich nichts ändert oder das Verhalten nur die Form wechselt. Es kehrt wieder, weil sein Ursprung unberührt blieb. Am Menschen vorbei lässt sich sein Verhalten nicht dauerhaft verändern.
Das heißt nicht, jedes Verhalten zu entschuldigen. Es heißt, den Unterschied zwischen Beobachtung und Deutung ernst zu nehmen. „Er blockt“ ist eine Beobachtung. „Er ist unmotiviert“ ist bereits ein Urteil, das die Suche beendet, bevor sie begonnen hat. Wer beim Urteil stehen bleibt, hat den Menschen erklärt, ohne ihn verstanden zu haben.
Hinter jedem Verhalten steht jemand, für den es einen Sinn ergibt – auch dort, wo dieser Sinn von außen nicht erkennbar ist.
Wer nur das Verhalten sieht, korrigiert die Oberfläche und fragt sich, warum die Tiefe bleibt.