Wer gegen sich selbst kämpft, verliert doppelt.

Es gibt einen inneren Kampf, der als Disziplin auftritt. Man zwingt sich, zerrt an sich, hält sich Vorwürfe. Der eigene Widerstand gilt als Gegner, den man niederringen muss. Wer sich nur hart genug bekämpft, so die stille Überzeugung, wird endlich der, der er sein sollte.

Der Kampf hat nur einen Fehler: Beide Seiten sind derselbe Mensch.

Wer gegen sich selbst antritt, kann nicht gewinnen. Jeder Sieg ist zugleich eine Niederlage, weil der Besiegte man selbst ist. Die Kraft, die in den Widerstand fließt, fehlt an anderer Stelle. Und der Teil, den man niederkämpft, verschwindet nicht – er meldet sich später zurück, oft heftiger. So verliert man zweimal: die Energie im Kampf und die Sache, um die es eigentlich ging.

Meist steckt hinter dem Widerstand kein Feind, sondern ein Grund. Wer eine Aufgabe immer wieder aufschiebt, ist nicht einfach faul – vielleicht hält ihn eine Unsicherheit zurück, die er nicht wahrhaben will. Wer sich zu etwas zwingen muss, hat oft einen Einwand gegen die Sache, den er nicht anhört. Der Widerstand ist dann keine Schwäche, die man brechen müsste, sondern eine Information, die man überhört.

Wer statt zu kämpfen zuhört, gewinnt etwas zurück. Nicht sofort die Lösung, aber den Zugang zu ihr. Der innere Widerstand hört auf, Gegner zu sein, und wird zum Hinweis – auf etwas, das geklärt werden will, bevor es sich fügt.

Gegen sich selbst zu gewinnen ist unmöglich. Mit sich selbst voranzukommen ist die einzige Richtung, die nicht doppelt kostet.

Wer sich selbst bekämpft, hat den Gegner falsch gewählt – und den Verbündeten gleich mit.

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