Klarheit kann unbequem sein – Unklarheit ist meist teurer.

Klarheit hat einen schlechten Ruf, sobald sie konkret wird. Solange sie eine Absichtserklärung bleibt, will sie jeder. Kaum wird sie ausgesprochen, wird sie anstrengend. Denn Klarheit bedeutet, dass etwas nicht mehr offenbleibt. Und was nicht mehr offen ist, verlangt eine Entscheidung.

Deshalb wird das Unklare oft vorgezogen. Nicht weil man es besser fände, sondern weil es weniger kostet – im Moment.

Eine unklare Zuständigkeit erspart das unangenehme Gespräch. Ein vager Kompromiss vermeidet den offenen Konflikt. Eine nicht getroffene Entscheidung hält alle Optionen am Leben. Das fühlt sich nach Handlungsfähigkeit an, ist aber ihr Gegenteil. Es wird nichts geklärt, nur verschoben.

Die Rechnung kommt später. Aufgaben, die niemandem eindeutig gehören, bleiben liegen. Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden, werden enttäuscht. Projekte, die alles offenlassen, kommen nicht voran. Der Preis der Unklarheit fällt nicht sofort an – aber er fällt an, verlässlich und meist höher.

Klarheit dagegen ist einmal unbequem. Sie zwingt zur Festlegung, macht angreifbar, schließt Möglichkeiten aus. Danach ist etwas entschieden. Und wer entschieden hat, kann handeln, statt zu verwalten, was ungeklärt geblieben ist.

Das gilt auch für den Umgang mit sich selbst. Wer die unbequeme Klarheit meidet, spart sich nichts. Er verschiebt nur die Kosten – auf ein Konto, das im Stillen weiterläuft.

Klarheit kostet einmal. Unklarheit kostet, solange sie bleibt.

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