Ihre Überzeugungen fühlen sich wie Tatsachen an.

Eine Überzeugung meldet sich nicht als Meinung. Sie meldet sich als Gewissheit. Was man für richtig hält, erscheint nicht als eine mögliche Sicht unter anderen, sondern als die Sache selbst. Man sieht nicht die eigene Deutung – man sieht, wie es ist. So scheint es jedenfalls.

Genau darin liegt die Täuschung.

Überzeugungen entstehen aus Erfahrung, Herkunft, Prägung, aus dem, was sich einmal bewährt hat. Sie sind nützlich, weil sie das Denken abkürzen. Man muss nicht jede Lage neu bewerten, sondern greift auf ein Urteil zurück, das bereitliegt. Der Preis dafür ist, dass dieses Urteil unsichtbar wird. Es wirkt nicht mehr wie eine Annahme, sondern wie ein Fakt.

Im Unternehmen zeigt sich das an Sätzen, die niemand mehr prüft. „Das funktioniert in unserer Branche nicht.“ „Solche Kunden zahlen nicht.“ „Das haben wir schon versucht.“ Solche Sätze klingen nach Erfahrung. Manchmal sind sie es. Manchmal sind sie nur eine alte Überzeugung, die sich als Tatsache ausgibt.

Der Unterschied ist folgenreich. Eine Tatsache muss man hinnehmen. Eine Überzeugung könnte man überprüfen. Wer beides verwechselt, hält für unveränderlich, was in Wahrheit verhandelbar wäre.

Das lässt sich nicht abstellen, nur bemerken. Die eigene Sicht fühlt sich immer wie die Wirklichkeit an – auch beim Schreiben dieses Satzes. Wer das weiß, hält seine Gewissheiten etwas lockerer.

Was sich wie eine Tatsache anfühlt, ist oft nur eine Überzeugung, die lange genug nicht widersprochen wurde.

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