Zwei Personen sitzen im selben Gespräch. Danach erzählen beide, was passiert ist – und es klingt, als seien sie in verschiedenen Räumen gewesen. Der eine hat einen sachlichen Austausch erlebt, der andere einen Angriff. Beide sind ehrlich. Beide haben recht, was ihr Erleben betrifft.
Denn erlebt wird nie die Situation selbst, sondern immer die eigene Version davon.
Jeder bringt mit, was er mitbringt: seine Geschichte, seine Erwartungen, seine wunden Punkte. Dieselbe Bemerkung trifft den einen ins Leere und den anderen ins Mark. Nicht weil die Bemerkung zwei Bedeutungen hätte, sondern weil sie auf zwei verschiedene Menschen trifft. Was ankommt, hängt nicht nur davon ab, was gesagt wird, sondern davon, wer zuhört.
Im Betrieb führt das zu Konflikten, die niemand versteht. Eine Führungskraft meint es neutral, ein Mitarbeiter hört Geringschätzung. Ein Feedback ist als Hilfe gedacht, kommt als Urteil an. Beide sprechen über „die Situation“, als gäbe es nur eine. Dabei diskutieren sie über zwei.
Wer das übersieht, sucht die Schuld. Wer es berücksichtigt, sucht das Missverständnis. Das ist der Unterschied zwischen einem Streit darüber, wie es wirklich war, und einem Gespräch darüber, wie es beim anderen ankam.
Auch dieser Text beschreibt nur eine Sicht. Eine andere wäre denkbar.
Es gibt keine gemeinsame Situation. Es gibt nur den Versuch, zwei Erlebnisse aneinander anzunähern.