Sie sind nicht für alles verantwortlich.

Manche Unternehmer tragen alles. Jeder Fehler ist ihrer, jedes Versäumnis fällt auf sie zurück, jeder Rückschlag wird zum persönlichen Versagen. Das klingt nach Haltung – endlich einer, der sich nicht herausredet. Und doch kippt diese Haltung an einem bestimmten Punkt ins Gegenteil.

Denn wer für alles verantwortlich ist, ist es für nichts mehr.

Verantwortung braucht eine Grenze, sonst verliert sie ihre Kraft. Wer sich zuschreibt, was gar nicht in seiner Hand lag – die Marktlage, die Entscheidung eines anderen, ein Zufall –, verwischt die Linie zwischen dem, was er steuern konnte, und dem, was ihm widerfuhr. Und wo alles gleich schwer wiegt, lässt sich nicht mehr erkennen, wo das eigene Handeln tatsächlich den Unterschied gemacht hätte.

Das hat einen Preis, der über das Gefühl hinausgeht. Wer alles auf sich nimmt, lernt aus nichts. Denn Lernen setzt voraus, den eigenen Anteil vom Fremden zu trennen – zu sehen, was man anders hätte machen können, und was eben nicht in der eigenen Macht stand. Die Allzuständigkeit verhindert genau diese Unterscheidung. Sie sieht aus wie Demut und wirkt wie Selbstüberschätzung: als läge wirklich alles am eigenen Tun.

Verantwortung heißt nicht, alles zu tragen. Sie heißt, das zu tragen, was einem gehört – und das Übrige dort zu lassen, wo es hingehört. Diese Grenze zu ziehen ist keine Ausrede. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Verantwortung überhaupt etwas bewirken kann.

Wer alles auf sich lädt, trägt am Ende weniger weit als der, der weiß, was nicht seins ist.

Grenzenlose Verantwortung ist keine Stärke. Sie ist eine Verantwortung, die ihr Maß verloren hat.

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