Eine Entscheidung wirkt wie ein einzelner Akt. Jemand wägt ab, entscheidet sich, handelt. So steht es im Protokoll. Was das Protokoll nicht zeigt: dass diese eine Entscheidung nur der sichtbare Punkt einer langen Linie ist.
Niemand entscheidet aus dem Nichts.
Was einer wählt, hängt an dem, was er erlebt hat. An der Insolvenz, die er einmal durchgestanden hat und nie wieder erleben will. An dem Partner, der ihn hängen ließ, weshalb er heute nichts mehr aus der Hand gibt. An dem frühen Erfolg, der ihn glauben lässt, sein Weg sei der richtige. Die Entscheidung von heute trägt die Geschichte von gestern in sich – meist unausgesprochen, oft unbemerkt.
Deshalb sind zwei Unternehmer in derselben Lage selten derselben Meinung. Nicht weil einer die Fakten besser kennt, sondern weil jeder eine andere Geschichte mitbringt, durch die er die Fakten liest. Wer einmal zu spät gebremst hat, bremst künftig zu früh. Wer nie gescheitert ist, unterschätzt, was Scheitern kostet. Dieselbe Zahl bedeutet für den einen Chance, für den anderen Gefahr.
Das ist kein Mangel, sondern die Bauart des Entscheidens. Erfahrung ist nützlich, sonst müsste man alles neu lernen. Sie wird nur dann zur Falle, wenn ihre Geschichte unsichtbar bleibt. Dann hält man die eigene Prägung für nüchternes Urteil und wundert sich, warum ein anderer, ebenso vernünftig, zum Gegenteil kommt.
Wer seine Entscheidungen verstehen will, kommt an ihrer Geschichte nicht vorbei – die eigene eingeschlossen.
Keine Entscheidung fällt im Jetzt allein. Sie bringt mit, was der Entscheider mitbringt.