Sie reagieren nicht auf die Wirklichkeit.

Zwei Geschäftsführer, dieselbe Nachricht. Ein Wettbewerber senkt die Preise. Der eine sieht die Bedrohung und plant den Rückzug aus dem Segment. Der andere sieht die Gelegenheit, weil der Wettbewerber gerade seine Marge opfert. Gleiche Lage, entgegengesetzte Schlüsse.

Beide würden sagen, sie reagieren auf die Fakten.

Aber niemand reagiert auf die Lage selbst. Man reagiert auf das, was man wahrnimmt, wie man es bewertet und welche Bedeutung man ihm gibt. Eine kritische Rückfrage ist Interesse – oder Angriff. Ein Fehler ist eine Lernmöglichkeit – oder ein Beweis mangelnder Zuverlässigkeit. Eine Marktveränderung ist Bedrohung – oder Chance. Die Situation ist dieselbe. Die Reaktion nicht.

Denn zwischen dem Ereignis und der Reaktion liegt die eigene Erfahrung. Frühere Erfolge, Enttäuschungen, Überzeugungen und Erwartungen bestimmen mit, was einer überhaupt erkennt.

Deshalb führen sachliche Argumente allein nicht zwangsläufig zu einer gemeinsamen Einschätzung. Die Beteiligten sprechen scheinbar über dieselbe Wirklichkeit, bewegen sich aber auf unterschiedlichen inneren Landkarten.

Klarheit beginnt dort, wo die eigene Wahrnehmung nicht länger mit der Wirklichkeit verwechselt wird.

Was wir für eine Tatsache halten, ist häufig zunächst nur unsere Deutung.

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