Was messbar ist, ist nicht automatisch wichtig.

Was sich zählen lässt, bekommt Aufmerksamkeit.

Umsatz, Anfragen, Auslastung, Abschlussquote, Krankenstand, Durchlaufzeit: Eine Zahl steht da, also kann man über sie sprechen.

Schwieriger wird es bei Dingen, die sich nicht so sauber erfassen lassen. Wie viel Vertrauen ein Kunde verloren hat. Ob ein Mitarbeiter innerlich längst gekündigt hat. Wie viel Klarheit in einer Führungssituation fehlt. Ob eine Entscheidung das Unternehmen tatsächlich weiterbringt oder nur kurzfristig ein Problem löst.

Auch das hat Folgen. Nur eben keine Zahl daneben.

Genau deshalb verschiebt Messbarkeit leicht die Wahrnehmung. Was exakt erscheint, wirkt beherrschbar. Was sich vergleichen lässt, bekommt einen Platz in der Besprechung. Was in keinem Bericht auftaucht, muss dagegen erst begründet werden.

So entsteht eine merkwürdige Rangfolge: Nicht unbedingt das Wichtigste wird gesteuert, sondern häufig das, was sich am einfachsten beobachten lässt.

Das ist verständlich. Zahlen schaffen Orientierung, verdichten Entwicklungen und machen Unterschiede sichtbar. Problematisch wird es erst, wenn aus der Möglichkeit zu messen eine Aussage über Bedeutung wird.

Dann bekommt die Kennzahl Gewicht, weil sie vorhanden ist. Und das, was sich nicht sauber beziffern lässt, verliert Gewicht, obwohl es möglicherweise die größere Wirkung hat.

Ein Unternehmen kann seine Auslastung exakt kennen und trotzdem nicht wissen, ob seine Mitarbeiter an den richtigen Dingen arbeiten. Es kann jeden Vertriebswert verfolgen und trotzdem übersehen, warum Kunden nicht mehr zurückkommen.

Es kann immer mehr messen und dabei immer weniger von dem sehen, worauf es ankommt.

Messbarkeit ist ein Vorteil. Bedeutung ist etwas anderes.

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