Authentizität beginnt, wo Inszenierung endet.

Authentizität ist inzwischen ein Produktionsziel.

Beiträge sollen persönlich wirken. Fotos ungestellt. Texte nahbar. Fehler dürfen sichtbar sein, solange sie gut aussehen. Selbst das Unperfekte bekommt einen Rahmen.

Das Merkwürdige daran: Je bewusster Authentizität hergestellt wird, desto weniger lässt sich noch sagen, ob sie vorhanden ist.

Denn auch Natürlichkeit kann inszeniert werden.

Der offene Hemdkragen. Der spontane Gedanke aus dem Auto. Der Schreibtisch mit Kaffeetasse und Notizbuch. Die Geschichte vom eigenen Zweifel, sorgfältig gebaut mit Einstieg, Wendung und Erkenntnis.

Nichts davon muss falsch sein.

Aber Echtheit entsteht nicht dadurch, dass etwas echt aussieht.

Sie zeigt sich dort, wo die Darstellung etwas kostet. Wenn jemand eine Position hält, obwohl sie weniger Zustimmung bringt. Wenn eine Unsicherheit nicht deshalb erzählt wird, weil sie Nähe erzeugt. Wenn eine Entscheidung sichtbar wird, die nicht zum gewünschten Bild passt.

Inszenierung fragt, wie etwas wirkt.

Authentizität zeigt sich daran, was jemand auch dann tut, wenn die Wirkung ungünstig ist.

Das lässt sich schlecht planen. Und noch schlechter optimieren.

Vielleicht ist genau deshalb so viel von Authentizität die Rede. Was selbstverständlich wäre, müsste nicht ständig bezeichnet werden.

Wer glaubwürdig sein will, braucht keine überzeugendere Darstellung seiner selbst.

Er braucht weniger Abstand zwischen dem, was er zeigt, und dem, was er tut.

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