Was bleibt, wenn man den Spiegel wegnimmt?
Es gibt ein Muster. Es ist nicht neu, aber es hat sich perfektioniert.
Bühnenfotos. Medienlogos. Ein Zitat – vom Verfasser selbst. Dann der Dreiklang: Expertise, Führung, Beratung. Und ganz am Ende, nach allem anderen: was andere davon haben.
Personal Branding heißt die Methode. Die Botschaft dahinter ist immer dieselbe: Inszeniere dich. Zitiere dich selbst. Stelle große Namen neben deinen. Sei sichtbar – nicht substanziell.
Was früher einen Verlag, einen Agenten, eine Redaktion brauchte, erledigt heute ein Canva-Account. Sichtbarkeit wurde massentauglich – und damit beliebig. Alle sehen gleich aus. Alle klingen gleich. Alle haben dieselben Logos, dieselben Bühnenfotos, dasselbe Selbstzitat auf der Startseite.
Das eigentliche Problem ist nicht die Eitelkeit. Die gab es immer.
Das Problem ist die Skalierung. Was sich verbreitet, ist nicht der Inhalt – sondern die Methode. Und weil sie funktioniert – messbar, in Followern, Mandaten, Bühneneinladungen – wird sie zum Standard. Wer sie nicht beherrscht, fällt zurück. Also beherrscht sie jeder.
Am Ende steht eine Gesellschaft, in der Sichtbarkeit mit Kompetenz verwechselt wird. In der der Eindruck den Beleg ersetzt. In der niemand mehr fragt, was hinter dem Spiegel ist – weil der Spiegel so groß geworden ist, dass man das Dahinter nicht mehr sieht.
Was bleibt, wenn man den Spiegel wegnimmt? Meistens weniger, als er verspricht.